Intrinsische und extrinsische Motivation

Motivation ist ein wesentlicher Faktor für funktionierende Lernprozesse. Tatsächlich wird Motivation in der Psychologie mittlerweile auf gleicher Ebene mit Intelligenz als Voraussetzung für erfolgreiches Handeln verstanden. Um Motivation für aktiv gestaltete Lernsettings nutzbar zu machen, müssen wir wissen, welchen Ursprung sie hat, und wie sie verstärkt werden kann. Dafür ist eine Unterscheidung entsprechend des Urspungs der Motivation nötig: in intrinsche Motivation und extrinsische Motivation.

Extrinsische Motivation beschreibt das Ziel oder den Wunsch, eine Leistung zu erbringen, weil die Außenweilt darauf beispielsweise mit einer Belohnung (Schulnoten, Lob vom Chef, Abschluß-Zertifikat usw.) oder mit dem Vermeiden einer Strafe reagiert (Eltern meckern nicht, wenn das Kind die Hausaufgaben erledigt, KundInnen wechseln nicht zu anderer Firma, wenn ein Auftrag fristgemäß bedient wird usw.).

Ist intrinsische Motivation der Grund für eine Handlung, dann wird sie um ihrer selbst willen ausgeführt, die handelnde Person befriedigt damit also eigene Interessen oder Ziele, möchte eine selbst aufgestellte Herausforderung überwinden oder hat einfach Freude an der Handlung.

In aller Regel ist das Vorhandensein von intrinsischer Motivation in einem pädagogischen Setting die günstigere Variante: Erstens fördert sie selbstbestimmtes Lernen auch über z.B. eine Seminarsituation hinaus, zweitens gibt es die Vermutung, dass ein intrinsisch motivierter Antrieb stärker wirkt als ein extrinsischer. Spannend wird es im Zusammenspiel von intrinsischen und extrinsischen Reizen: Was passiert, wenn eine Person eigentlich schon intrinsisch motiviert ist, nun aber in eine Situation kommt, wo sie extern für ihre Handlung bewertet wird?

Zu genau dieser Frage haben Lepper, Greene und Nisbett 1973 eine Studie durchgeführt, "Undermining childrens intrinsic interest with extrinsic
reward". 51 Vorschulkinder mit vorhandenem Interesse am Zeichnen wurden in 3 Gruppen geteilt. In der Gruppe "expected award" wurden Kinder belohnt, wenn sie zeichneten. In der zweiten Gruppe wurden Kinder für das Zeichnen ebenfalls belohnt, wussten dies aber während der Aktivität noch nicht ("unexpected award"). Die dritte Gruppe bekam weder Belohnungen noch erwarteten sie welche ("no award"). Dieses Verhalten wurde einige Zeit später wiederholt, dann wurden die Ergebnisse gemessen.

Das Resultat: Während die Gruppen "no award" und "unexpected award" minimale, statistisch nicht signifikante Änderungen zeigten, verbrachten die Kinder, die erwartungsgemäß belohnt wurden, nach dem Experiment signifikant weniger Zeit mit Zeichenaktivitäten als die anderen Gruppen. Gleichzeitig wurde die Qualität der Bilder deutlich schlechter, die Anzahl an Bildern allerdings größer als in den beiden anderen Gruppen (Quelle).

Was ist hier passiert: Die intrinsische Motivation wurde zugunsten extrinsischer Motivation verdrängt, ein Effekt der im deutschen Sprachraum als Korrumpierungseffekt bekannt ist.

Fazit für das Schaffen pädagogischer Settings ist ein kritischer Blick auf alle vorhandenen extrinsischen Motivatoren - sie sollten möglichst sparsam eingesetzt und nach Möglichkeit ganz vermieden werden. Sind Leistungsanreize nicht vermeidbar, hilft beispielsweise ein Wechsel weg von Leistungsvergleichen einer Person im Vergleich zur Gruppe hin zu Vergleichen der eigenen Vorleistung der jeweiligen Person.

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